Beide anvisierten Ziele beim Jahresausflug der Frauengemeinschaft St. Wolfgang Haibühl genießen einen hohen Popularitätsgrad bei Küchenfreunden und Verfechtern gesunder Ernährung. Ein mit 50 Personen voll besetzter Bus machte sich bei sehr heißen Temperaturen auf den Weg ins Spargelland rund um Abensberg. FG-Vorsitzende Maria Reiner begrüßte alle Anwesenden. Darunter waren auch einige Nichtmitglieder, deren Anwesenheit davon zeugt, „dass es immer schöne Fahrten sind“.
Bei der rund dreistündigen Anreise waren die schon obligatorischen Wurst- und Käseweckl eine willkommene Unterbrechung. Schon bald waren erste Hopfenstangen und Spargelfelder in der Region sichtbar. Zur Holunder-Wunder-Erlebnisführung begrüßte Katharina Kreitmair alle Frauen auf ihrem Hof. Bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Holunderplantagen wurde erlebbar, wie aus einer traditionellen Wildpflanze eine Bio-Kulturpflanze wurde. Anfangs hatte sie ein kleines Spiel vorbereitet, bei dem mit vielerlei Gegenständen rund um die Pflanze Holunder das Wissen der Frauen abgefragt wurde. Es waren viele gute Ideen dabei.
Der zertifizierte Biohof, bei dem vier Generationen mitarbeiten, hat drei Standbeine: die ökologische Landwirtschaft (20 Hektar Ackerbau, acht Hektar Sonderkulturen mit Holunder und Aronia, neun Hektar Wald), die Verarbeitung und Vermarktung (Biozertifikat, Hofladen, Führungen) sowie das erfolgreiche Gasthaus. Auf dem Holunderfeld werden drei Sorten des Holunders angebaut.
Katharina Kreitmair verriet bei der Führung viele interessante Details und Tipps über das Gewächs, „vor dem man den Hut ziehen muss“, denn der Holunder ist als Heilpflanze in der Hausapotheke (fiebersenkend, entwässernd bei dicken Beinen, hilft gegen Durchfall) allseits bekannt. Er ist eine traditionelle Heilpflanze, deren Blüten und Beeren stark antiviral, immunstärkend und entzündungshemmend, krampflösend, verdauungsfördernd und fiebersenkend wirken. Früher hatte jedes Haus eine Staude davon am Stadl stehen. Beim Werksverkauf im Hofladen hatte jede Teilnehmerin die Möglichkeit, verschiedenste Hollunder-Produkte zu kaufen.
Weiter ging es nach Abensberg mit dem weithin sichtbaren Hundertwasser-Turm der Brauerei Kuchlbauer. Im nahen Brauereigasthof Zum Kuchlbauer nahmen die Frauen ein schmackhaftes Mittagessen ein, bevor es dann in kurzer Fahrt weiterging nach Sandharlanden, gelegen in einem der wichtigsten Spargelanbaugebiete Bayerns. Ziel war das Hofcafé und der Hofladen von Vroni Röll, allseits bekannt durch mehrere Fernsehbeiträge (Landfrauenküche, Lebenslinien, Wir in Bayern, Kochbeiträge auf Youtube usw.). In einem rund einstündigen, unterhaltsamen Vortrag bei Kaffee und Kuchen informierte die 37-jährige, taffe Unternehmerin energiegeladen und mit einer gehörigen Portion Humor und Eigenironie über ihr privates Leben und ihren beruflichen Werdegang.
Der Vollerwerbsbetrieb (seit fünf Generationen im Besitz der Familie) umfasst vier Hektar Spargelfelder, elf Hektar Wald, einen Hofladen und das Café. 2009 stieg sie in die Direktvermarktung ein. Als Frau und Hoferbin musste sie sich den Respekt aller erst erarbeiten. Sie ist die einzige Bäuerin im ganzen Landkreis, die den Spargel ohne Folie anbaut. „Wir gießen und spritzen nichts“. Die Spargelernte ist sehr arbeitsintensiv. „Der Spargel will seinen Herrn jeden Tag sehen“, sagte sie. Erst ab dem vierten Jahr wird die ganze Saison (ab Mitte April bis zum 24. Juni) geerntet, da die Pflanze bereits kräftig genug ist. 15 Angestellte stehen ihr zur Seite und nach dem Tod von Vater Alois kann sie sich auf die Hilfe von Mutter Sieglinde, Schwester Christina und natürlich ihrem Partner Harald verlassen. 16 Stunden Arbeit am Tag fordern sie, was jedoch ihrer unbändigen Lebensenergie keinen Abbruch tut. „Im Herzen drin müssen die Leute wieder viel zufriedener leben. Das wünsche ich euch von Herzen“, übermittelte Vroni Röll ihren Besucherinnen beim Abschied als Lebensphilosophie.
Die Frauen zeigten sich nachhaltig beeindruckt von der jungen Unternehmerin und nahmen das Angebot gerne an, sich im Hofladen mit frischem Spargel und allerlei anderen Köstlichkeiten einzudecken, bevor die Heimreise angetreten wurde. (Bericht und Bild: Pfeffer)