Brücken bauen und Begegnung ermöglicht seit mehreren Jahren der Gemeinschaftskirchenchor Haibühl-Hohenwarth unter seinem Chorleiter Ewald Pirtzl zwischen den beiden Ländern Bayern und Tschechien. Im ganzen Grenzgebiet ist die Sängergemeinschaft die Einzige, die diese Völkerverständigung in dieser Form aktiv vorlebt als erfolgreiche Musikkooperation diesseits und jenseits der Grenze. Heuer waren sie zum zweiten Mal zu Gast beim 22-jährigen Jubiläumstreffen an der Ruine der Pfarrkirche St. Bartholomäus von Běšiny, wo sie die Pilgermesse gestalten durften. Im Vorjahr waren es die Lamer-Winkel-Sänger (Chormitglieder), die musikalisch unterstützten.
Mit mehreren Privatfahrzeugen traten die Sänger und Sängerinnen die Anfahrt über den Grenzübergang Rittsteig/Svata Katharina an. Abenteuerlich anzumuten war besonders das letzte Wegstück, das durch dichten Wald und über die enge, holprige Platten-Militärstraße von Tržek bergan führte. Bürgermeisterin Pavlína Langmayerová hieß alle Pilger und Unterstützer dieses Treffens willkommen und erinnerte an die Ursprünge dieser wunderbaren Tradition. Als Übersetzer fungierte Jan Vitovec. Es ist mehr als 20 Jahre her, dass Pater Marek Hryc, der früher für die Pfarrei Běšiny zuständig war, die Idee hatte, die Messe an den Ruinen der ursprünglichen Pfarrkirche zu feiern und dieses Wahrzeichen zu einem Wallfahrtsort zu machen. „Die Anwesenheit des Chores wird langsam zur Tradition“, meinte Vitovec.
Zelebrant des Wallfahrtsgottesdienstes, der im Freien unter dem schützendem Zeltdach stattfand, war Vikar Marek Hryc, zusammen mit Kaplan Anthony. Während der Messe erhielt die kleine Lilliana das Sakrament der Taufe. Als musikalische Bereicherung brachte der Gemeinschaftskirchenchor die „Missa Brevis F-Dur“ von Andrej Hornik zu Gehör, begleitet von Julian Koller auf der Orgel. Als Solist beim Choral „Dank sei dir Herr“ von Georg Friedrich Händel glänzte Hans Eckl, während Karl Mühlbauer einfühlsame Instrumentalstücke auf dem Akkordeon darbrachte. Ein erhebender Moment an diesem magischen Ort war das zweisprachig gebetete Vater unser sowie das in verbundener Nachbarschaft und Freundschaft zweisprachig gesungene „Großer Gott, wir loben dich“. Spontaner Schlussapplaus belohnte die Sangesdarbietungen der Haibühl-Hohenwarther.
Wegen der Gemeindepartnerschaft mit Lalling war auch eine Delegation der Gemeinde zugegen. Das Beisammensein bei gutem Essen und Trinken hinterher bereicherte die Musikgruppe „Streka old country band“ unter der Leitung von Pavel Smolej im Festzelt. Wie jedes Jahr hatte die Freiwillige Feuerwehr Běšiny gutes Essen, Snacks und vor allem gutes Bier vorbereitet. Gute und spannende Unterhaltung bot auch die historische Fechtgruppe Šermdivadlo Clatonia mit ihrer Aufführung „Ctirad a Sarka (Der Jungfrauenkrieg)“ hinter der Kirche. Vor Ort war ein Kamerateam des Kabelfernsehens der Firma Film Pro (zu finden im Internet unter www.filmpro.cz) und drehte einen Beitrag über das Treffen.
Hintergrund-Informationen:
Běšiny (ausgesprochen Bieschin) ist eine kleine Gemeinde mit knapp 1000 Einwohnern nahe Klatovy (Klattau). Einst war ein Teil des Dorfes in 689 Meter Höhe in der Waldeinsamkeit beheimatet. Die Familien lebten in ihren Häusern in trauter Gemeinschaft und kämpften mit der rauen Natur um ihr Auskommen. Der ständige Wassermangel zwang sie im Jahr 1788 zur Umsiedelung ins Tal. Heutzutage geben lediglich Mauerreste des damaligen gotischen Gotteshauses Zeugnis von der Vergangenheit. Lediglich mehrere zugewachsene Hügel lassen erahnen, wo sich die umliegenden Häuser befunden haben dürften. Ihre Mauerreste hat sich die Natur bereits zurückerobert. Ein Teil des gesamten Gebiets war sogar ein Friedhof für die vier nächstgelegenen Dörfer. Die Bestattungen endeten jedoch 1804, als in Běšiny ein Friedhof eingerichtet wurde. Seit August 2003 treffen sich alljährlich die Pilger am Gedenktag des heiligen Bartholomäus hier an diesem Ort zum Gedenken. (Bericht und Bilder: Pfeffer)