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Augen auf und hinschauen

Ein gelungener Fachvortrag, der das wichtige Thema „Sexualisierte Gewalt“ vielseitig beleuchtete, fand vor kurzem in der Pfarreiengemeinschaft Haibühl-Hohenwarth statt. Die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter der beiden Pfarreien Haibühl und Hohenwarth sehen sich von ihrem christlichen Bekenntnis her in besonderer Weise der Prävention sexualisierter Gewalt verpflichtet. Ein wesentlicher Baustein in dieser Arbeit ist das Erstellen eines Schutzkonzepts für jede Pfarrei, das bereits erfolgt ist. Eine andere wesentliche Aufgabe ist die verpflichtende Schulung aller beruflich Mitarbeitenden sowie aller ehrenamtlich Tätigen, die mit Menschen zusammenarbeiten.

Pfarrer Johann Wutz ist es ein großes Anliegen, dass die beruflich und ehrenamtlichen Tätigen in dieser Thematik gut geschult und sensibilisiert sind, damit Menschen im Raum der Kirche so sicher wie nur möglich sind. Aus diesem Grund begrüßte er Diözesan-Referent Peter Smolarcyk in der Aula der Grundschule Arrach in Haibühl. 20 Anwesende, darunter auch einige Vertreter örtlicher Vereine, waren zugegen, als dieser sich und seine Person vorstellte. In der Pfarrei St. Josef Reinhausen (Nähe Regensburg) tätig engagiert er sich seit 2010 gegen sexualisierte Gewalt und wurde von der Diözese zur Präventionsschulung beauftragt.

In dem über dreistündigen Fachvortrag, der viele konkrete Fallbeispiele beinhaltete, waren die Anwesenden aktiv zur Mitarbeit und Mitsprache aufgefordert. Sie vertieften ihr Wissen und nahmen die Abgrenzung der Begriffe Grenzüberschreitung, Grenzverletzung, strafbare Handlungen vor, philosophierten über ihre Gefühle und kamen zu vielen neuen Erkenntnissen. Durch die offene Kommunikation wurde erreicht, dass das Thema nicht mehr als Tabu betrachtet wird. Anhand von farbigen Karten (rot, gelb, grün) wurden verschiedene Situationen durchgespielt.

„Viel ist bekannt geworden, viel ist vertuscht worden“, nahm der Referent sich kein Blatt vor den Mund. Die Bundesregierung war zum Handeln gezwungen. Das Bistum Regensburg wurde seit 2010 konfrontiert mit sexuellem Missbrauch und Körperverletzung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgeworfen wurden (z. B. Benediktinerkloster Ettal, Regensburger Domspatzen usw.). Im Aufarbeitungsprozess wurde der Zeitraum zwischen 1945 und 1995 untersucht. Beauftragte wurden eingesetzt, eine Hotline geschaltet, Anerkennungszahlungen erfolgten. Von den 27 deutschen Bistümern liegen derzeit jedoch erst sieben fertige Berichte vor. „Das Thema wird uns noch lange beschäftigen“, meinte Smolarczyk kritisch.

Gewaltausübung führt zu Kindeswohlgefährdung. Das Hauptrisiko für ein Kind, Opfer eines sexuellen Missbrauchs zu werden, liegt im näheren sozialen Umfeld. Meist werde ein Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Die Tatverdächtigen sind überwiegend männlich (94 Prozent). Es sei nicht der Fremde, der gefährlich ist, denn in drei von vier Fällen geschieht sexualisierte Gewalt an Kindern durch Menschen, die den Betroffenen bekannt sind. Oft sei es jemand, den das Mädchen/der Junge liebt oder dem sie vertrauen, z. B. ein Elternteil, Lehrer, Pfarrer, Sporttrainer, Bruder, Onkel oder Therapeut/hin. Das Bundeskriminalamt ging 2022 von mehr als 17 000 betroffenen Kindern aus. 77 Prozent sind weiblich, 60 Prozent sind Kinder unter 14 Jahren. Geschätzt wird aber eine hohe Dunkelziffer von über 300 000 betroffenen Kindern. „In jeder Schulklasse und jeder Kita-Gruppe ist mindestens ein Kind betroffen“, so der Redner.

Sexuelle Handlungen an/mit Kindern unter 14 Jahren seien laut § 176 ff StGB immer strafbar. Das Alter von 14 bis unter 18 Jahre (Jugendliche) sei eine „Schallmauer“, da sexueller Kontakt (einvernehmliche Handlungen) im Rahmen der sexuellen Selbstbestimmung (Art. 2 Grundgesetz) grundsätzlich erlaubt sind. Wer das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist schuldunfähig (§ 19 StGB). Die Täter gingen strategisch vor, sie haben „zwei Gesichter“ und vernebeln die Wahrnehmung der Umwelt. Erklärt wurden auch die Begriffe Cybergrooming, Sex-Tink und Sex-Tortion.

Den informativen Teil lockerten Übungen zum Hirntraining ab. Smolarczyk wies auf die Aktion der Bundesregierung „Schieb deine Verantwortung nicht weg“ hin. Es sei ihm ein Anliegen, die Kinder kindgerecht zu stärken. „Augen auf und hinschauen, nicht wegschauen – das ist Prävention“, so seine aufrüttelnde Forderung. Pfarrer Johann Wutz dankte ihm mit einem Präsent. (Bericht und Bild: Pfeffer)

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Veröffentlichung

Sa, 09. März 2024

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