Gleich drei Männer waren die Ausnahme bei der diesjährigen Muttertagsfahrt der Frauengemeinschaft St. Wolfgang Haibühl. Neben Pfarrer Johann Wutz und Gemeindereferent Tobias Krenn war natürlich auch Busfahrer Hans unverzichtbar für die Fahrt. Das stets streng gehütete Geheimnis wurde erst im Bus gelüftet. Bei ihrer Begrüßung forderte FG-Vorsitzende Maria Reiner auf, „sich um nichts zu kümmern und einfach nur zu sein“.
In diesem Jahr führte die beliebte Ausflugsfahrt zum Pilgramsberg. Die zur Gemeinde Rattiszell (Landkreis Straubing-Bogen) gelegene Wallfahrtskirche Sankt Ursula steht auf dem Plateau des 619 Meter hohen Berges. Mit herrlichem Blick auf das weitläufige, flache Donautal genossen die Ausflüglerinnen bei sonnigem Wetter im wunderschönen Biergarten des Gasthauses „Zur schönen Aussicht“ die einzigartige Aussicht in den Gäuboden bei Kaffee, Kuchen und Brotzeiten.
Die in der Wallfahrtskirche gebetete Maindacht wurde vorbereitet von Tobas Krenn und trug den Titel „Maria, dein Mantel ist sehr weit und breit“. Die Frauen beteten dabei auch für alle, die nicht mitfahren konnten und um Gesundung von Ulrike Schmid.
Karl Kienberger, Heimatpfleger aus Rattiszell, erzählte im Anschluss im Gotteshaus, das derzeit einer Renovierung unterzogen wird, anschaulich und ausführlich über die Entstehungsgeschichte des Kirchleins in exponierter Lage, erstmals 1150 erwähnt. Sie ist ein kleiner Bau des späten 17. Jahrhunderts mit weitem Rundblick auf die Bergkette des Bayerischen Waldes und Donautals und wird auch aus „Berg der Seligkeit“ bezeichnet. Die Kirche ist der heiligen Ursula geweiht.
Die wohl älteste, belegte Wallfahrt zur Muttergottes nach Pilgramsberg dürfte die Wallfahrt der Stadt Wörth/Donau sein. Sie geht zurück auf eine wunderbare Gebetserhörung der Familie Joseph und Walburga Schiller aus der Wörther Filiale Kiefenholz aus dem Jahre 1842. Die Mutter hatte den nach einer Pockenschutzimpfung erblindeten Buben zu Fuß von Wörth bis nach Pilgramsberg getragen und war das letzte Stück bis zum Altar noch auf den Knien gerutscht. Als sie vor dem Altar, im innigen, flehentlichen Gebet versunken, den Himmel um die Genesung ihres geliebten Kindes bat, riss dieses seine Mutter aus der Andacht, indem es plötzlich mit dem Händchen auf den Hochaltar zeigte und rief: „Mama, dei-dei“. In der waldlerischen Kleinkindersprache ist dies ein Ausdruck für etwas sehr Schönes. Als sie beide in der kleinen Kirche beteten, konnte der Sohn plötzlich wieder sehen. Das Wunder sprach sich schnell herum und wenige Jahre später errichtete man die neue Kirche, die man noch heute bewundern kann.
Zu Ostern 1839 kam ein Georg Fenzl nach Pilgramsberg und bot eine in seinem Besitz befindliche Mutter-Gottes-Figur den Pilgramsbergern an. Mit der Installation der neuen Mutter-Gottes-Figur, einer Kopie des Altöttinger Gnadenbildes am 14. April 1839 wurde aus der einstigen Wallfahrt zur heiligen Ursula ein beliebtes Ziel von Marienverehrern und ein lebhafter Zustrom von Gläubigen setzte ein. Viele Tausende haben seitdem hier in Bedrängnis und Not Trost und Hilfe gesucht und auch gefunden. Die mit Votivbildern übersäten Wände künden davon in Wort und Bild.
Eine Besonderheit war die Anwesenheit von Andrea Völkl aus Stallwang, der Ur-Ur-Enkelin des besagten Bubens der Legende. Wie von ihr zu erfahren war, „wurde dieser 97 Jahre alt und brauchte nie eine Brille zum Lesen“. Die Seitenaltäre zieren linkerhand die spätgotische Figurengruppe St. Anna selbdritt und rechts eine Darstellung der heiligen Wendelin, des eigentlichen Viehpatrons.
Danach wurde über Mitterfels und St. Englmar durch die frühlingshafte Landschaft die Heimfahrt angetreten. Betroffenheit herrschte beim Passieren einer Unglücksstelle in Ayrhof und die Ausflügler im Bus beteten spontan ein Vater unser für den dort tödlich verunglückten Motorradfahrer. Die Einkehr beim „Dorfwirt“ in Arnbruck bei Monika Wieser beendete einen schönen und entspannten Nachmittag, von dem die Frauen begeistert waren. Mit dem Verteilen des Muttertagsgeschenkes (Fingerrosenkranz, gefertigt von Andreas Altmann, mit Marienplakette) endete der ereignisreiche Nachmittag. Bei der Heimfahrt ergingen noch einige Terminhinweise. (Bericht und Bild: Pfeffer)