Lebendiges Zeichen des Glaubens
Bis heute wird Therese Neumann, vulgo die „Konnersreuther Resl“, verehrt. Die Bauernmagd aus dem beschaulichen 1700-Seelen-Markt in der Oberpfalz, im Stiftland, wurde durch ihre Stigmata weit über Bayern hinaus bekannt. Auch viele Jahre nach ihrem Tod ist sie nicht in Vergessenheit geraten. Damals wie heute ist ihr Grab in Konnersreuth das Ziel zahlreicher Verehrer. Es zeugt von Gebetserhörungen, die der Fürsprache Resl bei Gott zugeschrieben werden. In einem fesselnden Vortrag beleuchtete ihr Großneffe, der Rodinger Kaplan Bastian Neumann, im Pfarrheim St. Wolfgang in Haibühl in lebhafter Vortragsweise ihr Leben und Wirken vor knapp 30 aufmerksam lauschenden Besuchern. Viele private Fotos und familiäre Schilderungen unterstrichen seine Ausführungen anschaulich.
Als Hausherr begrüßte Pfarrer Johann Wutz den Referenten und die Anwesenden. „Die Resl war eine faszinierende Persönlichkeit, an der kontroverse Meinungen aufeinandergeprallt sind“, begann der Referent seinen Vortrag. Therese Neumann wurde geboren am 8. April 1898 in der letzten Stunde des Karfreitags als erstes von elf Kindern einer nicht sonderlich begüterten Schneidersfamilie. Schon als Kind pflegte sie ein inniges Gebetsleben. Ihr Wunsch war, Missionsschwester zu werden. Als gesundes und kräftiges Mädchen trat sie in den Dienst eines benachbarten Bauern und musste in dessen landwirtschaftlichem Betrieb unter Einsatz von schwerer körperlicher Arbeit mithelfen. Infolge mehrerer Unfälle (z. B. beim Löschen eines Brandes am 10. März 2018) stellten sich bei ihr eine vollständige Lähmung und Blindheit ein und machten sie zum Pflegefall. Gläubig verehrte sie die heilige Therese von Lisieux. Am Tag deren Heiligsprechung verschwand ihre Lähmung und einige Monate später auch die Blindheit.Ab der Fastenzeit 1926 stellten sich bei ihr Leidensvisionen ein, die großes Aufsehen erregten. In visionären Schauungen gewann sie Einblick in das Leben und Leiden Jesu. An ihrem Körper zeigten sich die Leidensmale Christi (Stigmata). Sie durchlebte von da an bis zu ihrem Tod am eigenen Leib die Passion, rund 800 Mal. „Sie spürte und fühlte den gleichen Schmerz wie der Heiland“, so Neumann. In den Visionen sprach sie in verschiedenen Sprachen (aramäisch, griechisch, portugiesisch, französisch usw.). Das Ereignis zog einen nicht enden wollenden Besucherstrom an. „An den Karfreitagen waren es gar zwischen bis zu 20 000 Besucher“, ließ der Kaplan wissen. Therese wurde so als Persönlichkeit weithin bekannt. Verehrer, aber auch Kritiker nahmen zu diesen Vorgängen und anderen außergewöhnlichen Phänomenen Stellung.
Seit ihrer Lähmung 1926 konnte die Resl keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen. Von September 1927 bis zu ihrem Tode verzichtete sie sogar auf Wasser. Ihre einzige Nahrung über 35 Jahre lang blieb die Hostie, das eucharistische Brot, welches sie täglich empfing. Selbst eine vom Bischöflichen Ordinariat Regensburg angewiesene strenge Bewachung einer ärztlichen Untersuchungskommission konnte diesem Phänomen nicht auf den Grund gehen. Viele sehen darin denBeweis für das Wirken Gottes. Während des zweiten Weltkrieges war sie Teil des „Konnersreuther Kreises“, eine Vereinigung religiös konservativer Kräfte, die sich gegen den Nationalsozialismus stellten. Der einstige Zweifler, Journalist Dr. Fritz Michael Gerlich, wird der beeindruckendste Zeuge und konvertiert schließlich zum Katholizismus.
Ihrer Initiative ist die Errichtung des Spätberufenen-Seminars Fockenfeld und des Anbetungsklosters Theresianum zu verdanken. Resl starb am 18. September 1962. Seit 2005 läuft der Seligkeitssprechungsprozess. „Sie war eine ganz einfache und bodenständige Frau, ein großes Vorbild in vielen Dingen, die aus dem Glauben heraus ihre Überzeugung in die Welt getragen hat“, so ihr Großneffe. Pfarrer Wutz gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Vortrag Impulse für das Glaubensleben der Pfarrei bringen möge. „An ihrem Beispiel sehen wir, dass Wunder geschehen können, wenn sie im Willen Gottes sind“, sagte der Geistliche, bevor er sich mit einem Präsent bei Bastian Neumann bedankte. (Bericht und Bild: Pfeffer)
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